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2022/23 Spieltagebuch

Spieltagebuch (Pokal): Danke Jungs, dass ich 65 Minuten lang träumen durfte!

Ist das bitter! Letztes Jahr habe ich nach dem 3:6 gegen Bielefeld gedacht: So will ich ausscheiden. Harter Fight, kurzzeitig gehofft, viel Spektakel – und am Ende dann doch so unterlegen, dass ich der verpassten 2. Runde nicht wirklich nachtrauerte. Gestern war das aber natürlich komplett anders.

Und das ist natürlich grundsätzlich was Positives. Die Mannschaft hat besser verteidigt, die Stimmung auf den Rängen besser, die Partie war knapper – und wir waren bis kurz vor Schluss vorne. Bis kurz vor Schluss durften wir träumen von einem Flutlichtspiel in der 2. Runde, von vielleicht 500.000 Euro Zusatzeinnahmen, und den Titel für den Text zum Spiel hatte ich auch schon im Kopf („Ich war dabei“[1]Ich hatte während des Spiels schon die ganze Zeit daran denken müssen. Immer wird von Bayern 1980 gesprochen. Von diesem einen Tag in der Vereinshistorie, an dem man sich auf den Füßen stand und … Weiterlesen).

Im Vergleich zum letzten Jahr bin ich deshalb auch deutlich niedergeschlagener. Aber eben auch nochmal ein gutes Stück stolzer auf unsere Altstadt, die vor wenigen Jahren noch ein etwas belächelter Regionalligist war, der vor 400 Zuschauern spielt.

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Das Spiel in aller Kürze

Bis zum Gegentor eine unglaublich disziplinierte und leidenschaftliche Leistung – dann ging uns natürlich die Puste aus.

Hamburg machte in den ersten zehn Minuten Alarm, ohne richtig gefährlich zu werden. Doch dann kam unsere Altstadt immer besser rein – man sah, dass der Matchplan, die Hamburger Defensive über den schnellen Nollenberger vor Gefahr zu stellen, total aufging. Wie der Führungstreffer zustande kam, war natürlich etwas glücklich, aufgrund der weiteren Chancen bis zur Pause war das 1:0 aber absolut verdient.

Tja, im Nachhinein muss man leider sagen: Es stand nur 1:0 zur Pause. In der zweiten Hälfte konnten wir kaum noch für Entlastung sorgen, auch wenn ich mich an einen traumhaft vorgetragenen Konter erinnere, an dessen Ende die Flanke leider einen Tick zu weit kam. Aber es war klar: Wenn wir den Ausgleich kassieren, dann wird es ganz schwierig bis unmöglich, das Ding noch zu gewinnen. Zittern war also angesagt, zumal der nun immer mehr drückte. Mitte der zweiten Hälfte hatte sich das Geschehen wieder beruhigt und etwa zehn Minuten vor Schluss wuchs bei mir die Überzeugung: Wir holen das!

Doch dann rutschte doch ein Ball durch. Ich glaube, die Verlängerung von Glatzel war nicht so gewollt – und hätte er den Ball richtig getroffen, dann wäre er wohl im Aus gelandet. Aber so ist halt der Fußball. Der Ausgleich war ein Stich ins Herz – und die beiden Gegentore in der Verlängerung nur die logische Folge der Erschöpfung der Mannschaft, die über 80 Minuten dem letztjährigen Halbfinalisten bravourös Paroli geboten hatte.

Mein Moment des Spiels

Da brauche ich nicht lange überlegen: Natürlich das Tor zum 1:0! Ich hatte mir am Samstagmorgen gedacht, dass allein ein Führungstor für einen so unvergesslichen Glücksmoment sorgen würde, dass das Endresultat zweitrangig wäre. Naja, ganz so war es dann doch nicht, denn gerade durch die lange anhaltende 1:0-Führung war das Ausscheiden eben besonders bitter.

Dennoch: Dieser Moment hat zu einer nie da gewesenen Gefühlsexplosion auf dem Biest geführt. Der Jubel hielt gefühlt über Minuten an. Da frage ich mich immer, wie sich das wohl außerhalb des Stadions, zum Beispiel in der Innenstadt angehört haben muss. Da ist ein Beben durch Bayreuth gegangen![2]Wenn es irgendwen gibt, der da ein Video oder eine Audioaufnahme hat, bitte her damit! 🤤

Und auch wenn wir verloren haben: Diesen Moment kann uns keiner nehmen.

Drei positive Dinge

  1. Die Organisation im Stadion
  2. Die Stimmung im Stadion
  3. Der leidenschaftliche und disziplinierte Auftritt der Mannschaft

Vorneweg: 15.000 Zuschauer ist definitiv das Maximum. Mehr geht nicht. Und auch mit dieser Zuschaueranzahl hatten wir ordentlich zu kämpfen. Die Warteschlangen am Bratwurst- oder Bierstand waren hart an der Grenze und an den Toiletten war die Situation sicherlich auch nicht viel besser.[3]All das kann ich aber nicht wirklich beurteilen, weil ich während des Spiels bewusst nichts getrunken habe, um nicht aufs Klo zu gehen. Zwar war ich am Ende ordentlich dehydriert, dafür habe ich … Weiterlesen[4]Zumindest haben sich aber auch in der zweiten Hälfte immer wieder Personen mit mindestens fünf Bierbechern in den Händen an mir vorbei gequetscht. Ganz so schlimm kann es also nicht gewesen sein. Auf Facebook wurde ja auch schon wieder ordentlich abgeledert.

Aber klar, dass die Gelegenheitsbesucher das nicht auf dem Schirm haben: Das Stadion ist aus den 1970er Jahren, an allen Enden fehlt Platz (Wo sollen zusätzliche Bierstände denn hin?) und irgendetwas in der Art von Fluchtkorridoren muss es ja auch noch geben. Unter all diesen Voraussetzungen und vor allem mit den Fiaskos gegen Bielefeld (extrem lange anstehen, nur um dann zu erfahren, dass das Bier leer ist) und Bayern II (Chaos an den Eingängen) im Hinterkopf, bin ich der Meinung, dass das gestern hervorragend organisiert und durchgeführt wurde. Ja, es lief nicht alles optimal, aber aus allen Fehlern wurde gelernt. Und beim nächsten Mal macht man es dann vielleicht nochmal einen Ticken besser. Vielen Dank an alle Beteiligten – ihr habt dieses Fußballfest erst möglich gemacht!

Apropos Fußballfest: Die Stimmung war grandios. Der HSV-Block war beeindruckend, aber auch das Biest hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Wenn man mittendrin steht, kann man es ja nur bedingt beurteilen, aber eine bessere Stimmung habe ich im HaWaWi definitiv noch nicht erlebt. In der zweiten Hälfte flaute es etwas ab, aber das war aufgrund der Anspannung und, ja, auch wegen des Schockzustands nach dem Ausgleichstreffer kein Wunder. So ein Pokalfight mit Verlängerung schlaucht schon extrem.[5]Und wenn mir das schon im Fanblock steht, möchte ich gar nicht wissen, wir man sich auf dem Platz in der 110. Minute fühlt. Großes Kompliment an die Mannschaft!

Kommen wir zuletzt zur Mannschaft. Man hatte das Gefühl, dass das Trainerteam der Mannschaft einen guten Matchplan auf den Weg gegeben hat und die Spieler diesen überragend umgesetzt haben. Ja, es war sehr defensiv und ja, es war für den neutralen Zuschauer vielleicht kein Leckerbissen.[6]Zumindest zeigten das einige Facebook-Kommentare, die „vom defensiven Bayreuther Auftritt“ enttäuscht waren. So ein Witz! Aber genauso musst du im Pokal gegen einen klassenhöheren Gegner auftreten. Und die Mannschaft war bis auf wenige Ausnahmen in der zweiten Hälfte tatsächlich brutal konsequent, hat kaum die Fehler gemacht, auf die die Gäste vermutlich spekuliert hatten (vor allem die Viererkette und natürlich der überragende Sebastian Kolbe), und nach vorne auch beherzt Akzente gesetzt (Nollenberger!). Es war einfach ein überragender Auftritt, der Lust macht auf mehr. Nicht vergessen: Wir haben gegen den letztjährigen Pokal-Halbfinalisten gespielt, der zudem beinahe in die Bundesliga aufgestiegen wäre. Das war, auch wenn’s nominell ein Zweitligist war, nochmal ein ganz anderes Kaliber als Bielefeld. Und wir hatten sie am Rande der Niederlage.

Stimmungsbarometer

+1 (vorher 0)[7]Hier geht’s zur Erläuterung des Stimmungsbarometers

Das Pokalspiel gegen Bielefeld letztes Jahr hat meine Stimmung schon positiv beeinflusst – auch in Bezug auf das große Ziel, den Aufstieg. Und so ähnlich geht’s mir dieses Jahr auch. Die Spiele gegen Ingolstadt und den HSV haben gezeigt, dass diese Mannschaft definitiv mithalten kann gegen Gegner, die einen höheren Etat und sicherlich auch mehr individuelle Qualität in ihren Reihen haben. Sicherlich kann man Ligaspiele nicht mit einem solchen Pokalspiel vergleichen[8]Deshalb spare ich mir auch die Phrase „Wenn wir so gegen … spielen, dann …“, aber verstecken brauchen wir uns vor niemandem.

Aber das muss man jetzt auch beweisen in einem Spiel, in das wir nicht als krasser Außenseiter gehen. Auf das Spiel gegen Freiburg II bin ich deshalb extrem gespannt. Wie viele Zuschauer kommen? Wie präsentiert sich die Mannschaft in einem Heimspiel, in dem man tatsächlich „was zu verlieren“ hat? Können wir noch mehr offensive Durchschlagskraft gegen ein Team entwickeln, das vergangene Saison nicht zweite Liga gespielt hat?

Aber egal wie wir uns schlagen. Wir spielen 3. Liga! Und wir haben noch viele Highlight-Spiele wie am Samstag vor uns. Dann vielleicht auch mit dem besseren Ende für uns.

Oldschdod! 💛🖤

Fußnoten

Fußnoten
1 Ich hatte während des Spiels schon die ganze Zeit daran denken müssen. Immer wird von Bayern 1980 gesprochen. Von diesem einen Tag in der Vereinshistorie, an dem man sich auf den Füßen stand und die Pokalsensation bejubelt. Das gestern wäre mal wieder vergleichbar gewesen.
2 Wenn es irgendwen gibt, der da ein Video oder eine Audioaufnahme hat, bitte her damit! 🤤
3 All das kann ich aber nicht wirklich beurteilen, weil ich während des Spiels bewusst nichts getrunken habe, um nicht aufs Klo zu gehen. Zwar war ich am Ende ordentlich dehydriert, dafür habe ich nichts verpasst.
4 Zumindest haben sich aber auch in der zweiten Hälfte immer wieder Personen mit mindestens fünf Bierbechern in den Händen an mir vorbei gequetscht. Ganz so schlimm kann es also nicht gewesen sein.
5 Und wenn mir das schon im Fanblock steht, möchte ich gar nicht wissen, wir man sich auf dem Platz in der 110. Minute fühlt. Großes Kompliment an die Mannschaft!
6 Zumindest zeigten das einige Facebook-Kommentare, die „vom defensiven Bayreuther Auftritt“ enttäuscht waren. So ein Witz!
7 Hier geht’s zur Erläuterung des Stimmungsbarometers
8 Deshalb spare ich mir auch die Phrase „Wenn wir so gegen … spielen, dann …“

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