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2022/23 Spieltagebuch

Spieltagebuch (9): Warum nicht gleich so?

586 Kilometer. Allein die Distanz zum gegnerischen Stadion unterstreicht einmal mehr, wie besonders diese Saison ist. In den vergangenen Jahren war das höchste der Gefühle (oder besser gesagt der Tiefpunkt), dass wir drei Stunden nach Burghausen gefahren sind, die letzte halbe Stunde davon über Landstraße. Am Samstag also quer durch die Republik, nach . Unvergessen![1]Ich war natürlich nicht dabei. Und ich beneide jeden einzelnen, der diesen Trip in den Norden gemacht hat.

Zum Glück ist das Spiel aus sportlicher Sicht nicht auch (im negativen Sinne) unvergessen. Bis zur 85. Minute war ich, der mit jedem Spiel ein Stück Optimismus eingebüßt hat, nämlich sicher, hier einen sicheren Absteiger zu sehen.

Es kam dann doch anders – Ziereis sei Dank. Und plötzlich sehen die 90 Minuten in der Rückschau auch ganz anders aus: Statt einer seltsam passiven ersten Hälfte, in der wir im Duell zweier Aufsteiger agiert haben wir ein zwei Klassen tiefer spielender Pokalgegner und verdient nur mit 0:1 zurücklagen, bleibt die Tatsache im Gedächtnis, dass wir eine gute zweite Halbzeit gespielt haben und erstmals auswärts und nach Rückstand gepunktet haben. Glas also wieder halbvoll!

Das Spiel in aller Kürze

Katastrophale erste Halbzeit. Alles hat gefehlt. Nach der Pause deutlich besser, aber ohne die ganz große Gefahr – dann kam Ziereis.

Ich will mich gar nicht in taktischen Analysen verlieren. Aber die erste Hälfte war gar nix. Das war – gemessen an den Erwartungen – mit das schwächste, was ich bislang als Altstadt-Fan gesehen habe. Viel zu passiv, zu ängstlich, und wenn wir mal den Ball hatten, war er meist nach zwei, drei Pässen wieder weg. Oldenburg hatte vermutlich 80 Prozent Ballbesitz und führte, ohne ein gutes Spiel machen zu müssen, hochverdient mit 1:0.

Nach der Pause wurde es besser, direkt in den ersten Minuten gab es ein paar vielversprechende Gelegenheiten. Doch dann verflachte das Spiel wieder und Oldenburg war dem zweiten Tor näher als wir dem Ausgleich. Ich gebe zu, die Hoffnung auf einen Punkt hatte ich eigentlich schon aufgegeben. Passend fällt dann aus einem langen Abschlag, den die Oldenburger nicht klären konnten, irgendwie der Ausgleich – für so ein Ding haben wir einen Markus Ziereis.

Natürlich wird uns danach noch ein Handelfmeter nicht gegeben, das gehört aber eigentlich in die Fußnoten.[2]Ist immerhin schon der fünfte Elfmeter im neunten Spiel, den wir nicht bekommen. Insgesamt war das Unentschieden leistungsgerecht, kann man sagen.

Drei Gedanken zum Spiel

Vielleicht hat’s genau das gebraucht?

In Jubelströme bin ich nach dem Ausgleich nicht ausgebrochen, zu schwach war das Spiel bis dahin. Aber vielleicht haben wir ja genau das gebraucht: einen dreckigen Punktgewinn[3]Unverdient war der Punktgewinne nicht., den wir durch ein krummes Tor in der Schlussphase holen. Dazu endlich mal auswärts gepunktet, und zum ersten Mal im siebten Anlauf nach Rückstand noch einen Punkt geholt. Die Schlussphase gibt auf jeden Fall ein positives Gefühl für die Länderspielpause.

Nicht auszudenken, …

… was los gewesen wäre, hätten wir auch dieses Spiel verloren. Wie oben schon geschrieben: Wäre der Ausgleichstreffer nicht gefallen, hätte man die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang, die es zweifelsohne gegeben hat, wegwischen müssen. Dann wäre unter dem Strich nur die siebte Pleite im neunten Spiel gestanden, in einem Spiel gegen einen direkten Konkurrenten, in dem man eine Reaktion hatte zeigen wollen. Auch dieses 1:1 haut einen nicht vom Hocker, allerdings – auch das gehört zur Wahrheit bei allem „Mitaufsteiger“-Narrativ – ging es gegen eines der formstärksten Teams der Liga, das zuvor zehn Punkte aus vier Spielen geholt hatte.

Jeder, der im Stadion war, konnte froh sein.

Ich beneide jeden, der in Oldenburg war. Nicht nur, weil er die erste Auswärtsfahrt durch die Republik erlebt hat, sondern auch, weil ihm dieser grausige Kommentator von Magenta erspart geblieben ist. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich den Ton bei einem Spiel, das mir was bedeutet hat, ausgestellt. In der ersten Hälfte waren unsere Jungs schlecht, Kommentator Edgar Mielke aber noch deutlich schlechter. Er war einschläfernd, nicht gut informiert und noch dazu parteiisch.[4]Oldenburger Flanken in den Strafraum waren immer „Halbchancen“, während er unsere dicke echte Chance in der ersten Hälfte, den Abschluss von Latteier aus fünf Metern, mit … Weiterlesen

Stimmungsbarometer

-7 (zuletzt -6) ((Hier geht’s zur Erläuterung des Stimmungsbarometers))

In der 80. Minute war ich am Tiefpunkt: bei einer -10. Nach dem Tor und mit etwas Abstand sieht es natürlich besser aus, auch wenn ich trotzdem meine Enttäuschung nicht verschweigen kann. Bei aller Freude über den ersten Auswärtspunkt haben wir die vermutlich schwächste Halbzeit der Saison gespielt, als eine Reaktion angekündigt worden war. Klar, die Entstehung dieses Punktgewinns ist dann auch eine Reaktion – eine Reaktion, die hoffentlich eine Initialzündung für einen positiven Lauf ist!

Jetzt geht’s gegen Dynamo!

Fußnoten

Fußnoten
1 Ich war natürlich nicht dabei. Und ich beneide jeden einzelnen, der diesen Trip in den Norden gemacht hat.
2 Ist immerhin schon der fünfte Elfmeter im neunten Spiel, den wir nicht bekommen.
3 Unverdient war der Punktgewinne nicht.
4 Oldenburger Flanken in den Strafraum waren immer „Halbchancen“, während er unsere dicke echte Chance in der ersten Hälfte, den Abschluss von Latteier aus fünf Metern, mit „einfach zu harmlos“ abtat.

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