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Spieltagebuch (19): So schlecht waren wir dann auch wieder nicht … (mit Bildern)

Das erste Auswärtsspiel im Jahr 2023 liegt hinter uns. Und direkt haben wir die erste Klatsche – um genau zu sein, war das 0:4 in Aue die höchste Auswärtsniederlage der Saison. In gewisser Weise war es ein Rückfall in alte Muster: einfache Fehler, die zu ärgerlichen Gegentoren führen, gute Ansätze in der Offensive, ohne aber wirklich oft zwingend zu werden.

Auf der anderen Seite, so absurd es angesichts des deutlichen Ergebnisses klingen mag: Ich habe ein eigentlich gutes Auswärtsspiel gesehen. Wir waren Aue über 90 Minuten ebenbürtig, hatten trotz der schwierigen Bodenverhältnisse zeitweise gute Kontrolle über den Ball. Und eigentlich standen wir defensiv auch ganz gut. Statistische Belege dazu folgen in den Gedanken zum Spiel.

Vielleicht ist mein Blick auf das Spiel auch ein wenig verklärt durch das Event an sich: Ein Auswärtsspiel im Erzgebirge, 700 bis 800 Bayreuther im Gästeblock, tolle Stimmung (trotz Niederlage), Schneetreiben auf dem Platz. So was hätte ich vor Jahren nicht zu träumen gewagt. Hoffentlich aber war es nicht der letzte Ausflug nach Aue für uns.

Ach ja: Und wenn selbst der oldschdodd-jochen auf Facebook bei einer 0:4-Niederlage von einem guten Spiel spricht und den Trainer in Schutz nimmt, dann kann es so schlecht nicht gewesen sein 😉[1]Jochen, ich hoffe, du siehst mir nach, dass ich dich hier erwähne. Du bezeichnest dich aber ja selbst auf Facebook als notorischen Nörgler, deshalb greife ich ja deinen eigenen Gedanken auf. 😉[2]Apropos Facebook: So mancher User sollte von der SpVgg-Seite gesperrt werden. Das geht wirklich auf keine Kuhhaut, was da geschrieben wird – und nein, mit „Kuhhaut“ meine ich nicht … Weiterlesen

Jetzt aber zum Spiel.

Der Nudeltopf war lecker.

Das Spiel in aller Kürze

Wir sind am Anfang sehr gut drin, geraten durch ein unglückliches Gegentor in Rückstand und laden Aue dann zweimal ein. Trotz 0:3-Pausenrückstand gibt sich die Mannschaft nicht auf, es war aber wohl einfach nichts drin.

Bis zum 1:0 waren wir richtig gut im Spiel, sogar das bessere Team. Chancen waren auch da: Ziereis legte am Fünfer zurück, fand aber keinen Abnehmer; später ein Nollenberger-Schlenzer, der am langen Pfosten vorbei strich. So um die 20. Minute war ich wirklich beeindruckt, wie unsere Jungs spielten – bis ein unglückliches Gegentor (Pressschlag, Torwart getunnelt) zum Rückstand führt.

Das wäre absolut kein Beinbruch gewesen, hätten wir Aue danach nicht zweimal eingeladen: Bei einer Nazarov-Ecke steht ein Spieler völlig blank[3]Dass Nazarov diese Ecke punktgenau zum Abnehmer bringt, ist dann halt der Qualitätsunterschied zwischen Aue und uns – siehe die Aktion kurz vor der Pause von uns, bei der ein Fehlpass direkt … Weiterlesen, dessen Volley-Abnahme wird ins Tor abgefälscht; und dass nach dem Schiedsrichter-Ball kurz vor der Pause der Ball in Richtung Eckfahne dem Gegner in den Fuß gespielt wird, woraus dann der Konter zum 3:0 entsteht, war nichts weniger als Dummheit.

Drei zu Null zur Pause, da geht eigentlich nichts mehr. Ich war beim Halbzeitpfiff auch entsprechend desillusioniert – denn bei zwei Toren Rückstand hätte ich zumindest noch eine leise Hoffnung auf ein Comeback gehabt.

Auch so wäre vielleicht noch was gegangen, hätten wir bis zur 70. Minute den Anschlusstreffer geschossen. Aber dass Lipperts Fernschuss ans Lattenkreuz geht und Momente später ein Nazarov-Schuss (bzw. Flanke? Pass? Keine Ahnung) eben durch Lippert so blöd abgefälscht wird, dass er hinter Kolbe an den Pfosten fällt und von dort natürlich auch noch ins Tor, war symptomatisch für das Spiel.

Bei Aue hat alles funktioniert, bei uns nichts. So ist es halt manchmal.

Drei Gedanken zum Spiel

Gegen Dortmund hatten wir Spielglück, gegen Aue nicht.

Ein 0:4 allein mit Spielglück erklären zu wollen, ist schon sehr gewagt. Das will ich auch gar nicht, Aue hatte den Sieg absolut verdient. Aber auch gegen Dortmund hätten wir zur Pause schon zumindest zwei Dinger kassieren können, stattdessen fällt fünf Minuten nach der Pause ein Kirsch-Schuss direkt vor die Füße von Ziereis. In Aue war es eben genau andersrum.

Nach dem Dortmund-Spiel hatte ich mir mal überlegt, wie oft wir im alten Jahr glücklich gepunktet haben. Meine Bilanz: „Glücklich“ in der Entstehung war eigentlich nur das 1:1 in Oldenburg, wobei wir dort sogar noch einen Elfmeter zum Sieg hätten bekommen können. Gegen Dortmund hatten wir in mehreren Szenen das vielzitierte Spielglück, in Aue in fast keiner. Hoffentlich ist es gegen Ingolstadt wieder anders.

Wir waren Aue statistisch eigentlich ebenbürtig

Man kann von diesen Statistiken wie Expected Goals, Ballbesitz und Co. halten, was man will. Aber sie geben trotzdem ein Gefühl über ein Spiel. Hier die Statistiken laut footystats zum Spiel in Aue:

DataErzgebirge AueBayreuth
Ballbesitz48%52%
Schüsse87
Karten22
Eckbälle35
Fouls1013
Abseits11
xG1.411.16
Quelle: footystats

Wir waren also nicht viel schlechter als Aue – definitiv keine vier Tore. Bleibt zu hoffen, dass wir gegen Ingolstadt wieder unsere Chance(n) nutzen.

Das war für mich ein besonderes Auswärtsspiel

Es waren mindestens 700 Bayreuther in Aue. So viele Zuschauer hatten wir in den vergangenen 30 Jahren bei vermutlich 90 Prozent – der Heimspiele! Für mich war das Erlebnis in Aue einfach nur surreal. Das fing schon auf der Autobahn an, wo wir einen Fanbus aus Mistelgau (!) trafen. Das ging vor dem Stadion weiter, wo hunderte Bayreuther zum Eingang schlenderten, Lieder anstimmten, sich auf das Spiel freuten. Und natürlich war der Höhepunkt der Auswärtsblock selbst, wo ich mich einfach wie im großen Fußball fühlte.[4]Sollte sich ein Fan eines anderen Vereins auf diesen Blog verirren und lachen über diese Schilderungen („Ist bei uns jede Woche so“): Vor wenigen Jahren waren wir bei Auswärtsspielen … Weiterlesen

Auch die Stimmung war – vor allem angesichts des Spielverlaufs – ziemlich gut. Einzig dieses dämliche „Arschloch“-Rufen bei der gegnerischen Aufstellung fand ich ziemlich peinlich und überflüssig. So niveaulos sind wir eigentlich nicht.

Zusammenfassend: Für mich war das ein bislang einzigartiges Auswärtserlebnis. Wir haben mindestens noch eine ganze Rückrunde – und idealerweise noch länger in der dritten Liga.

Stimmungsbarometer

-2 (zuletzt 0) ((Hier geht’s zur Erläuterung des Stimmungsbarometers))

Bei allem positiven (und vielleicht auch verblendeten) Geschreibsel: Wir haben das Spiel mit 0:4 verloren, und zwar gegen einen (zumindest aktuell noch) direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.[5]Ich bin aber vermutlich nicht der einzige, der damit rechnet, dass Aue bald nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird. Von daher ist die Euphorie nach dem Dortmund-Spiel schon wieder etwas gebremst. Auf uns wartet zudem ein knackiges Programm, denn wir spielen jetzt gegen den Sechsten (Ingolstadt), dann beim Dritten (Freiburg II) und dann gegen den Vierten (Wehen)[6]Stand: Sonntagvormittag. Gehen wir aus diesen Partien leer aus, dann wird das rettende Ufer in die Ferne rücken, denn auch wenn zumindest Zwickau und Meppen uns aktuell den Gefallen tun, gar nicht zu punkten: Ewig wird das nicht so weitergehen, und wir werden nicht nur zwei, sondern vier Mannschaften hinter uns lassen müssen.

Gleichzeitig macht das Spiel in Aue einmal mehr Mut, dass wir mithalten können in der Liga und an einem guten Tag gegen jeden Gegner punkten können. Aue war, zumindest was die entscheidenden Situationen anbelangt, alles andere als ein guter Tag für uns. Hoffen wir, dass es gegen Ingolstadt, in Freiburg und gegen Wiesbaden wieder anders wird und wir dort unsere Punkte holen.

Auch wenn’s schwer wird: Vier Punkte aus diesen drei Spielen und wir sind wieder einigermaßen im Soll! Wir müssen zu Hause unsere Punkte holen, sonst wird’s schwer. Aber das war von Anfang an klar.

Fußnoten

Fußnoten
1 Jochen, ich hoffe, du siehst mir nach, dass ich dich hier erwähne. Du bezeichnest dich aber ja selbst auf Facebook als notorischen Nörgler, deshalb greife ich ja deinen eigenen Gedanken auf. 😉
2 Apropos Facebook: So mancher User sollte von der SpVgg-Seite gesperrt werden. Das geht wirklich auf keine Kuhhaut, was da geschrieben wird – und nein, mit „Kuhhaut“ meine ich nicht den Jochen!
3 Dass Nazarov diese Ecke punktgenau zum Abnehmer bringt, ist dann halt der Qualitätsunterschied zwischen Aue und uns – siehe die Aktion kurz vor der Pause von uns, bei der ein Fehlpass direkt zum Konter führt.
4 Sollte sich ein Fan eines anderen Vereins auf diesen Blog verirren und lachen über diese Schilderungen („Ist bei uns jede Woche so“): Vor wenigen Jahren waren wir bei Auswärtsspielen eine Handvoll Fans. Jetzt kommen wir in einen Gästeblock und die Leute müssen sich schreiben, wo sie gerade stehen, weil man sie sonst nicht finden würde. Das war vor nicht allzu langer Zeit undenkbar.
5 Ich bin aber vermutlich nicht der einzige, der damit rechnet, dass Aue bald nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird.
6 Stand: Sonntagvormittag

6 Antworten auf „Spieltagebuch (19): So schlecht waren wir dann auch wieder nicht … (mit Bildern)“

Alles gut Peter, hast ja Recht 😎… Ich sehe im Moment eine ganz andere Mannschaft, die sich voll reinhaut und auch spielerisch glänzen kann… Und wenns dann halt net reicht, dann iss so.. Und der Trainer hat tatsächlich wieder ne Mannschaft geformt, die absolut konkurrenzfähig ist.. Bräuchten halt auch mal a bissl Glück..

Mit Verspätung: Toller Spieltagebucheintrag. War nach den Gegentoren völlig desillusioniert. Hab natürlich unsere Altstadt unterstützt und mitgefiebert.
Freut mich, dass dir der Nudeltopf geschmeckt hat. Hab ich ehrlich gesagt noch nie gegessen. Der Roster schmeckt mir einfach.

Das Aue dort ist schon ein ganz besonderes Pflaster und du verstehst vielleicht auch, warum ich vor über 10 Jahren mal großer Fan dieses „Zonivereins“ war und auch noch bin. Damals waren aber auch noch 3 Spielklassen Differenz. Und sog. Underdogs sind immer interessant und haben ihren Reiz. Bin dort noch nie blöd angemacht worden. Im Gegenteil, durfte beim 1. Spiel im neuen Stadion gegen Braunschweig vor circa 5 Jahren sogar im Hinterhof einer Auer Familie parken, nachdem mich die Polizistinnen, waren echt 2 im Fahrzeug, vom Gehsteig entfernen wollten.
Wie du schon schreibst, hoffentlich nicht das vorletzte Aufeinandertreffen.
Es sind dort schon jetzige Bundesligamannschaften wie Bochum, damals im Schneetreiben mit 0:6, oder Frankfurt im Sommer bei 38 Grad mit 0:3 untergegangen.
Die Leistung der Altstadt dort, eine Mentalitätsmannschaft laut Dotchev, war trotzdem klasse.

Glück auf 🙋🏻‍♂️

Sehr sehr geil geschrieben. Macht richtig Spaß das zu lesen.
Kann dir da in jedem Punkt nur recht geben und muss hinzufügen das ich bzw. Wir hoffen das es auch für uns nicht das letzte Heimspiel gegen euch war. Kam mit einigen Fans von Bayreuth ins Gespräch. Man merkte sofort das dass Motto „in den Farben getrennt und in der Sache vereint“ wird bei euch auch ganz groß geschrieben.

Freue mich schon auf das Spiel bei euch.

Bin mir sicher nach diesem Spiel werden wir zusammen auf den Verbleib in der 3. Liga anstoßen 💪🏻

Lila Weiße Grüße und auf Bald 🙋🏻‍♂️

Respekt an euch Fans aus Bayreuth. Es war eigentlich ein Spiel auf Augenhöhe aber naja wir hatten den besseren Tag erwischt. Die Höhe spiegelt das Spiel nicht unbedingt wieder. Euer Support auch trotz des Spielstands war absolut 3-Ligareif!!! Respekt. Ich freue mich schon auf das Rückspiel bei euch in der #oldschdod

Eine Einschätzung des Spiels bei den Schachtern, und der aktuellen Lage der Oldschdooder, vom Feinsten. Hier spricht Einer mit Herzblut. Bayreuth hat trotz Abgängen von Leistungsträgern nicht an Enthusiasmus verloren. Das Abenteuer 3.Liga, sprich bezahlter Fußball, wird auch und entscheidend von einer unerschütterlichen Fanszene getragen. Ein voller Gästeblock in Aue ist wahrhaft nicht die Regel. Hut ab vor der Oldschdod! Macht weiter so. So eine Fanszene wie eure ist nicht selbstverständlich. Bewahrt euch das. Mit einem herzlichen Glück Auf Schachtscheisser Achim ⚒💜🙋‍♂️

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