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2023/24 Spieltagebuch

Spieltagebuch (6): Angst vor der eigenen Courage

Siebter Spieltag, die Altstadt empfängt .

Der Tabellenführer muss sich in der ersten Hälfte nicht sonderlich strecken, die ideenlosen Angriffe des Gegners verpuffen. Eine von zwei Großchancen wird genutzt, mit dem 1:0 geht es in die Pause. Das Bild ist auch in der zweiten Hälfte nicht groß anders, ehe der Tabellenzehnte durch einen Genistreich zum Ausgleich und kurz darauf nach Eckball sogar zur Führung kommt. Doch die Spitzenmannschaft schüttelt sich kurz, erhöht den Druck, erzielt das 2:2 und schnürt in der Schlussphase den Gegner noch einmal ein – zu mehr als einem Pfostenschuss nach Freistoß reicht es aber nicht mehr.

So weit meine Zusammenfassung des Spiels. Ihr habt das Stilmittel natürlich schon durchschaut. Eigentlich hätte man vor der Saison meinen können, der Tabellenführer sind wir und der ideenlose Tabellenzehnte, der im gesamten Spiel drei Chancen hat und zwei Tore macht und mit Glück zu einem Punkt kommt, wäre der Gast aus Aubstadt. Nun ja, falsch gedacht.

Oder anders gesagt: Ansprüche und Realität gehen aktuell ziemlich weit auseinander bei uns.

Ich will jetzt auch gar nicht zu einer Tirade ausholen, auch wenn mir nach der wirklich sehr dürftigen ersten Hälfte[1]Kein Tempo, haarsträubende Abspielfehler, der einzige Abschluss aus dem Nichts. danach gewesen wäre. Die Mannschaft soll, darf und muss sich entwickeln. Wir müssen Geduld haben, eine Meisterschaft war in dieser Saison nie das Ziel.

Und doch: Solche einfachen Fehler, wie wir sie in der ersten Hälfte, nach der Pause und auch in der Schlussphase gemacht haben, die darf man sich eigentlich nicht leisten, wenn man so besetzt ist wie wir. Und da ist es auch egal, ob wir gegen den Tabellenführer der Regionalliga spielen oder im Pokal gegen einen Landesligisten.[2]Wobei es gegen Weiden ja auch nicht viel besser .. naja, anderes Thema.

Denn was man auch gesehen hat: Wenn wir mal Gas geben, die Handbremse lösen, den Gegner unter Druck setzen und den Ball schnell nach vorne spielen, dann haben es auch die bislang noch ungeschlagenen Aubstädter sehr schwer gegen uns. Prompt gelingt das 1:1 und direkt danach nutzen wir eine Ecke[3]Auch so ein Thema: In der ersten Hälfte waren zwei Eckbälle schlecht und drei richtig schlecht. zum 2:1. So schnell und einfach kann’s gehen. Und auch danach gab es noch ein paar Minuten, in denen man den Eindruck hatte: Wir haben’s im Griff, wir müssen nur noch einmal durchkommen, 3:1, Messe gelesen.

Aber dann kam sie zurück, die Angst vor der eigenen Courage (so sagt man das, oder?[4]Kurze Google-Recherche: „Sich im letzten Augenblick doch nicht trauen etwas zu tun; bei einer Unternehmung den Rückzug antreten, nachdem man sich schon vorgewagt hatte.“ – Passt … Weiterlesen). Aubstadt plötzlich wieder am Drücker, der Zehner links völlig frei, der Ball in den Strafraum, Ausgleich. Und danach sogar noch ein Freistoß an den Pfosten.

So sind es mit dem Schlusspfiff gleich mehrere gegensätzliche Gefühle, die sich in mir abspielen: Freude darüber, nach dieser richtig schlechten ersten Hälfte zumindest einen Punkt geholt zu haben; Enttäuschung darüber, dass wir 80 von 90 Minuten nicht gut waren und ein 2:1 verspielt haben; Erleichterung darüber, dass wir nicht zum dritten Mal in Folge verloren haben; Entsetzen darüber, dass Vilzing parallel die Bayern schlägt, gegen die wir vor eineinhalb Wochen hoffnungslos unterlegen waren[5]Und wir sind nach sieben Spieltagen das einzige Team, das gegen die Bayern verloren hat..

Ich will aber mit etwas Positivem schließen: Wieder über 2.000 Fans im Stadion! Nach vier Spielen im Schnitt 2.700 – echte! – Zuschauer. Gegen Aubstadt, an einem Dienstagabend, und das obwohl vor dem Spiel wir der Tabellenzehnte und die Aubstädter Spitzenreiter waren.

Hoffentlich ändert sich das wieder.

Fußnoten

Fußnoten
1 Kein Tempo, haarsträubende Abspielfehler, der einzige Abschluss aus dem Nichts.
2 Wobei es gegen Weiden ja auch nicht viel besser .. naja, anderes Thema.
3 Auch so ein Thema: In der ersten Hälfte waren zwei Eckbälle schlecht und drei richtig schlecht.
4 Kurze Google-Recherche: „Sich im letzten Augenblick doch nicht trauen etwas zu tun; bei einer Unternehmung den Rückzug antreten, nachdem man sich schon vorgewagt hatte.“ – Passt ganz gut.
5 Und wir sind nach sieben Spieltagen das einzige Team, das gegen die Bayern verloren hat.

2 Antworten auf „Spieltagebuch (6): Angst vor der eigenen Courage“

Zitat: „Und doch: Solche einfachen Fehler, wie wir sie in der ersten Hälfte, nach der Pause und auch in der Schlussphase gemacht haben, die darf man sich eigentlich nicht leisten, wenn man so besetzt ist wie wir….“

Leider greift das nach meinem Eindruck aus vier Heimspielen zu kurz …

Neben dem – für jeden im Stadion vom ersten Spieltag an sichtbar – nicht ausreichend vorhandenen Selbstbewusstsein fehlt der Mannschaft offenkundig die Spielidee! Besonders deutlich zeigt sich das an der unglaublich statischen, am Ende von zahlreichen Quer- und Rückpässen nicht selten riskanten bis missglückten Spieleröffnung. Ähnliches ließe sich über die untauglichen Pressingversuche und das nicht stattfindende Umschaltspiel nach eh kaum vorhandenen Ballgewinnen aufzeigen. Spieler wie Tim Latteier, David Ismail oder Daniel Haubner zeigten sich fast schon genervt und versuchen es dann mit Einzelaktionen. Nur auf geniale Momente von Fenninger, George, vielleicht auch Mbila zu hoffen, wird nicht reichen. Aus der Mannschaft lässt sich jedenfalls deutlich mehr herausholen!
Ach ja! Wirklich tolle Resonanz der Zuschauer und für mich selbst auf der Haupttribüne unerwartet gute Unterstützung unserer Jungs!

Auf geht’s Oldschdod

Danke für den Kommentar. Das war gar nicht als tiefgreifende Analyse gemeint, sondern ist nur das offensichtlichste Symptom des Problems, das du ja auch ansprichst und damit zusammenhängt. Die Spielidee ist bestimmt nicht dieses Querspielen. Und gegen Memmingen bspw. haben wir vielleicht nicht brilliert, aber doch gute Chancen herausgespielt. Aber einig sind wir uns: Es fehlt noch an allen Ecken und Enden.

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